Köstlich amüsiert habe ich mich auch über den armen Sachsen, der letzte Woche Latoya Jacksons Rede in der Semperoper live übersetzte, oder es zumindest versuchte:
Doch wir sind beim besten Willen nicht allein. Die Bulgaren ärgern sich über ihre Abgeordnete Rumiana Jeleva, welche sowohl mit schlechtem Englisch als auch ominösen Korruptionsgerüchten von sich reden macht.
Doch die Frage stellt sich für uns alle - wie viel Englisch sollte man sprechen können in unserer Gesellschaft? Und bedroht zu viel Englisch möglicherweise die Konsistenz der deutschen Sprache? Letztes Jahr wollte die CDU deswegen sogar die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufnehmen, inzwischen ist die Diskussion darüber im Sand verlaufen. Jetzt macht Verkehrsminister Ramsauer Schlagzeilen, der die Anglizismen in seinem Ministerium und an Bahnhöfen eindämmen will.
Ich denke, hier werden zwei grundlegend verschiedene Sachen oft verwechselt. Zum Einen sind da die Anglizismen im Alltag, sei es nun "Back Shop", "Service Point" oder einfach nur "Laptop" (ganz schlimm auch unter Frisören). Diese gehen mir auch auf den Keks, sind aber beim besten Willen keine Bedrohung für die deutsche Sprache. Ich benutze auch nicht gerne die Begriffe Handy und Computer sondern sage lieber Telefon und Rechner.
Zum anderen wäre da das Beherrschen der richtigen englischen Sprache, und da sieht es in Deutschland recht düster aus (zugegeben, in Südeuropa noch düsterer).
Man muss sich ganz genau klar machen: die zunehmend globalisierte Welt kommt, ob man das nun will oder nicht. Und die Sprache dieser Welt ist Englisch. Schon heute ist man in vielen Berufen ohne gute Englischkenntnisse aufgeschmissen, wie soll es dann erst in 50 Jahren aussehen? Heute legen wir die wichtigsten Bausteine in der Bildung für die nächste und übernächste Generation. Und nie wieder hat man so gute Hirnleistungen wie als Kind, um Fremdsprachen zu lernen.
Sicher, als Aldi-Kassierer und ZDF-Gucker wird man auch in 50 Jahren mit wenig Englisch gut auskommen. Doch Globalisierung ist nicht nur etwas wirtschaftliches, sondern auch kulturelles und soziales. Für mich ist dieser Aspekt genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger als der berufliche. Ohne Englisch bleiben einem die schönsten Perlen der Weltliteratur, die besten Filme und lustigste Comedy auf immer verborgen. Zugegeben, manches kann man übersetzen und synchronisieren, aber längst nicht alles und niemals perfekt. George Carlin, Ricky Gervais, Bill Cosby, Penn&Teller, Chris Rock, Jon Stewart, Bill Maher - die machen alle nur im Original Sinn (deutsche Comedians sind in meine Augen sowieso nur noch peinlich und unlustig - "Hier ick hab 'ne Freundin!! 'ne Freundin! Weeste? Weeste?" - zum Kotzen!). Auch in globalen Freundschaften, Diskussionen und Veranstaltungen wird Englisch eine immer wichtigere Rolle einnehmen, angetrieben vor allem durch das Internet. Und nicht zuletzt ist Englisch - neben Mathematik - in der Naturwissenschaft die Sprache aller Sprachen, wer weder das eine noch das andere kann, darf auch nicht mitdiskutieren, Punkt.
Ich persönlich befürworte so viel Englisch, wie nur irgendwie möglich ist. Verpflichtender Unterricht ab der ersten Klasse, weitere Fächer auf Englisch (z.B. Mathematik oder Geografie), mehr unsynchronisierte Filme im TV, mehr attraktive Angebote für Schüleraustausche und Sprachreisen.
Alles andere beeinträchtigt die Zukunft unserer Kinder stärker, als wir vielleicht glauben. Wird dadurch eine Schwemme von Service Points und Shower Gels unseren Alltag ruinieren? Ich glaube nicht. Für mich ist gutes Englisch absolut kompatibel mit der Liebe zur deutschen Sprache und Literatur.
PS: Diesen Kommentar habe ich gerade bei youtube unterhalb des Oettinger-Videos gesehen:
"If you would stop dubbing your films and TV shows, germans wouldn't be so bad at english. When I was in Germany it was hard to find anyone that could express themselves in English. It's not my first language either, but I can communicate in English without much trouble. It's important to note that in countries where dubbing is not used, English fluency or semi-fluency is significantly greater. Plus, dubbing just fucking sucks anyway."
Ähnliches habe ich schon öfters von anderen Deutschland-Besuchern gehört.


Handy ist übrigens ein schwäbisces Wort. Es entstand, als der Schwabe sein erstes schnurloses Telefon sah und sich fragte :hän die ka Schnur?
AntwortenLöschenJaa, der gute alte Schwaben-Witz ^^
AntwortenLöschenTatsächlich ist die Herkunft des Wortes Handy nicht eindeutig geklärt. Ich finde es äußerst faszinierend, wie sich Sprache entwickelt. :)
Was die Sache angeht, wie gut Deutsche Englisch sprechen oder nicht und was da andere von uns denken, ich hab die Erfahrung gemacht, dass das stark von deren Englischkenntnissen abhängt. Schweden z.B. denken von uns eher als schlecht in Englisch, weil es für so durch die Bank normal ist, Englisch sehr gut zu beherrschen, Franzosen sehen das meist eher andersrum. Und Amerikaner/Australier sind eh oft davon begeistert, dass andere Leute einigermaßen flüssig in ihrer Sprache sprechen und sie so überall weiterkommen. Aber was die Sache mit dem Synchronisieren angeht, ja das ist schlimm, sehr schlimm. Dabei sollte es z.B. beim digitalen TV doch kein Problem sein, beide Tonspuren anzubieten.
AntwortenLöschenhän die koi kabl
AntwortenLöschenheisst des :)