Dienstag, 12. Januar 2010

Kurze Rezension: The Greatest Show on Earth

Nach einer Gallup-Umfrage glauben mindestens 40% der Amerikaner nicht an die Evolution und sind sich sicher, die Erde sei jünger als 10.000 Jahre. Als Geowissenschaftler hantiert man täglich mit gigantischen Zeiträumen von Jahrmillionen, da machen einen solche Umfragen einfach nur sprachlos.

Ein Problem ist aber auch: In einer Diskussion fehlen einem oft die richtigen, griffigen Argumente, um anderen etwas zum Thema zu erzählen. Man weiß in etwa wie das funktioniert - aber nicht unbedingt, wie man das kurz und knackig auf den Punkt bringen kann. Dafür gibt es nun Abhilfe.

Zu Weihnachten hat mir jemand das Hörbuch zu The Greatest Show on Earth: The Evidence for Evolution von Richard Dawkins geschenkt. Und ich muss sagen: Ich bin begeistert! Sein letztes Buch Der Gotteswahn / The God Delusion war ja auch in Deutschland ein Bestseller, allerdings hatte es einige Ecken und Kanten, die mir nicht sonderlich gefielen. In Greatest Show on Earth geht es wiederum nur ganz am Rande um Religion, quasi ein Back-to-the-roots-Buch für den Evolutionsbiologen Dawkins. Somit kann ich dies auch allen Theisten sehr ans Herz legen.

Dawkins baut sehr behutsam (wahrscheinlich, um Kreationisten nicht gleich zu verschrecken) positive Beweise für die Evolution an sich auf und beleuchtet das Thema von allen erdenklichen Perspektiven. Sicherlich ist das nicht neu, Bücher dazu gibt es wie Sand am Meer. Doch alle diese Bücher haben ein Problem: Man schreibt entweder zu hochtrabend und vergrätzt die interessierten Laien - oder man schreibt zu simpel und langweilt die etwas Fortgeschrittenen. Dieses Buch trifft den optimalen Mittelweg so perfekt, wie ich das noch nie in den Populärwissenschaften gesehen habe. Es werden alle Aspekte sorgfältig abgedeckt, ohne zu kompliziert oder zu langweilig zu sein. Das ist eine wirklich große Kunst. Für mich waren viele neue und unbekannte Inhalte dabei - oder noch wichtiger: viele praktische und geniale Argumentationswege.

Nach dieser Lektüre kann man sagen, Evolution wirklich verstanden zu haben.

Das Hörbuch wird im Englischen ungekürzt von Richard Dawkins selbst und seiner Frau Lalla Ward vorgelesen. Eine deutsche Version soll in einigen Monaten erscheinen.

Montag, 11. Januar 2010

And the Water seems inviting

Heute hat mich Florian auf seinem Blog verlinkt, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Für diejenigen, die sich über den Titel wundern, hier eine kurze Geschichte dazu:

1978 produzierte der schon damals bekannte Astronom Carl Sagan eine dreizehnteilige Doku-Serie für PBS namens "Cosmos", in der er von den Wundern des Kosmos, der Erde und der Natur erzählte. Die Reihe gilt als eine der meistgesehensten der Welt, insbesondere die Kraft seiner poetischen Stimme und die Schönheit seiner Visionen wurden zum Merkmal des Programms (und die damals atemberaubenden Spezialeffekte).

In Deutschland lief die Serie zum letzten Mal in den 80ern, leider sehr stark gekürzt und mit schlechter Synchronisation. Ich empfehle jedem Wissenschaftsinteressierten, sich dieses Juwel einmal in Ruhe anzuschauen. Auf youtube findet man schnell alle Teile, z.B. im Kanal von Zuke696 (der User hat praktische ALLE astronomischen populärwissenschaftlichen Dokus der letzten Jahrzehnte hochgeladen, insgesamt 1446 Stück - Wahnsinn!), oder einfach über die Suche.

In der Einleitung von Cosmos taucht dann auch der Satz auf, den ich als Blogtitel wählte:

The surface of the earth is the shore of the cosmic ocean
on this shore, we have learned most of what we know
recently, we have waded a little way up
and the water seems inviting




Für mich verkörpert dieser kurze Satz den wichtigsten Grund, warum wir Wissenschaft machen. Wir stehen vor einem riesigen Meer des Unbekannten - und scheuen nicht davor, sondern freuen uns darauf, mutigen Schrittes in das Wasser zu waten, auf eine ungewisse und hoffnungsvolle Zukunft.

Mittwoch, 6. Januar 2010

18 Minuten für die Zukunft der Erde

Kennt Ihr nicht auch dieses wunderbar wohlig-sehnsüchtige Gefühl, wenn man einem richtig guten Vortrag lauscht, voller Leidenschaft, Optimismus, Vision?

Solche Vorträge finden sich inzwischen in riesigen Massen auf youtube, so dass einen die Länge und Menge völlig erschlägt. Doch viele dieser Vorträge sind so unvorstellbar großartig, dass man sie gar nicht verpassen darf. Da kann ich vielleicht helfen.

An dieser Stelle möchte ich Euch von der TED Conference erzählen, der vielleicht wichtigsten kulturell-naturwissenschaftlich-technologischen Allround-Konferenz der Welt. Sie findet jedes Jahr in Long Beach, Californien statt. Weitere Ableger gibt es seit ein paar Jahren auch in anderen Ländern.

Dort können Menschen aller Art und aller Hintergründe ihre Visionen, Ideen und Lebensgeschichten erzählen, in 18 Minuten. Immer 18 Minuten, egal ob der Redner bekannt ist oder nicht.

Unter den Vortragenden finden sich die üblichen Verdächtigen: Michael Shermer, Richard Dawkins, Al Gore, Bill Clinton, Bill Gates, Carolyn Porco, Stephen Hawking, Brian Cox - aber auch viele unbekannte Gesichter mit umso interessanteren Geschichten.

Hier möchte ich Euch ein paar der besten Vorträge und Reden davon zeigen, viele davon gehören zu dem Faszinierendstem, was ich im meinen ganzen Leben je gesehen habe.


Fangen wir an mit Juan Enriquez: Tech evolution will eclipse the financial crisis